Autor: mind-e

15. Oktober 2021 – Deutsche Unternehmen fordern eine Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität in den ersten 100 Regierungstagen

Nach der Verschärfung des Klimaschutzgesetzes benötigt die Wirtschaft dringend Planungssicherheit für ihre Klimaschutzinvestitionen von der Politik. In Anlehnung an den ganzheitlichen Ansatz des Green Deals der EU-Kommission fordern die Unternehmen in dem Appell von der Stiftung 2 Grad den Ausbau wichtiger Technologien und Infrastrukturen, insbesondere den Ausbau Erneuerbarer Energien und der dafür erforderlichen Stromnetze, klimafreundliche Industrieanlagen und Verkehrsinfrastrukturen sowie die energetische Gebäudesanierung.

  1. Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität in den ersten 100 Tagen

Klimaschutz soll zum Markenzeichen der deutschen Wirtschaft werden. Verbunden mit diesem Wunsch, haben 69 führende deutsche Konzerne, initiiert durch die Stiftung 2°,einen Appell unterzeichnet. Sie fordern ein umfangreiches Maßnahmenbündel von der neuen Bundesregierung innerhalb der ersten 100 Tage, um das erklärte Ziel -65% CO2-Reduktion bis 2030 und Klimaneutralität bis 2045 verlässlich zu erreichen.

  1. Wettbewerbsfähigkeit von Klimaschutztechnologien stärken

Die CO2-Bepreisung muss als klimapolitisches Leitinstrument in planbaren, auf europäischer und internationaler Ebene abgestimmten Schritten weiterentwickelt und gestärkt werden. Ihre Lenkungswirkung sollte so deutlich erhöht und am Ziel Deutschlands der Klimaneutralität bis 2045 ausgerichtet werden. Die CO2-Bepreisung sollte zudem mit einem wirkungsvollen Maßnahmenmix für die einzelnen Sektoren flankiert werden, so dass klimafreundliche Technologien schnell wettbewerbsfähig werden. Im Gegenzug braucht es gezielte Maßnahmen, die soziale Ausgewogenheit sicherstellen, Carbon und Investment Leakage effektiv vermeiden und Ressourcen für Zukunftsprojekte erhalten und freisetzen.

  1. Ausbau Erneuerbarer Energien beschleunigen, Energieeffizienz steigern

Bis 2030 müssen mindestens 70% des steigenden deutschen Stromverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden. Die installierte Kapazität von Windkraft an Land und auf See sowie Photovoltaik muss dafür nahezu verdreifacht werden. Der ehrgeizige Ausbau der Erneuerbaren Energien sollte mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden, um gezielt die Voraussetzungen für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung deutlich vor 2038 zu schaffen. Unternehmen können als Katalysator für die Schaffung eines Erneuerbaren Energiesystems wirken. Dafür müssen die Rahmenbedingungen zur Umsetzung wichtiger technischer Lösungen deutlich attraktiver und einfacher gestaltet werden, Stichwort Eigenerzeugung und Nutzung von Wärme und Kälte auf Basis von Erneuerbaren Energien und industrieller Abwärme.

  1. Genehmigung klimafreundlicher Infrastrukturen vereinfachen

Die Umsetzungsoffensive sollte deshalb eine „Kickstart-Initiative“ für eine grundlegende Neuregelung und Vereinfachung von künftigen und laufenden Planungs- und Genehmigungsverfahren beinhalten. Dafür sind Mut und Pragmatismus gefragt: Die Dauer von Genehmigungsverfahren sollte möglichst auf unter ein Jahr begrenzt werden. Einspruchswege und Klageverfahren sollten beschleunigt und die zuständigen Verwaltungseinheiten und Gerichte in die Lage versetzt werden, schnell zu handeln.

  1. Als Vorbild vorangehen

Der Staat ist der größte Auftraggeber in Deutschland. In der öffentlichen Beschaffung werden pro Jahr etwa 500 Milliarden Euro investiert. Damit verfügt die öffentliche Hand über einen kraftvollen klimapolitischen Hebel, der deutlich stärker als bisher genutzt werden muss, um Leitmärkte für nachhaltige und kreislauffähige Produkte zu schaffen.

  1. Internationale Partnerschaften stärken

Die COP26 in Glasgow und die deutsche G7- Präsidentschaft 2022 müssen genutzt werden, um die transatlantische Zusammenarbeit zu stärken und im Kontext der G20 die Grundlagen für einen Klima-Vorreiter-Club zu verankern, der internationale Standards für ein Paris kompatibles Finanzsystem und klimaneutrale Produkte erarbeitet. Der Klima-Club soll den Klimaschutz und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken und somit auch Carbon Leakage vorbeugen. Mit strategischen Partnerschaften zu Schlüsseltechnologien für das Erreichen der Klimaneutralität sollte die Bundesregierung die Wettbewerbsfähigkeit von morgen sichern.

Die Unternehmen rufen die neue Bundesregierung auf, die Transformation zur Klimaneutralität zum zentralen Wirtschaftsprojekt der kommenden Legislaturperiode zu machen.

6. Oktober 2021 – Die Erde wird messbar dunkler. Was bedeutet das für uns?

Heute reflektiert die Erde weniger Sonnenlicht als noch vor 20 Jahren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift »Geophysical Research Letters« veröffentlicht wurde.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren wurde die Rückstrahlung der Erde von Satelliten gemessen, der sogenannte Albedo Wert. Je heller eine Oberfläche, desto größer ist die Reflektion des auftreffenden Sonnenlichts – je dunkler, desto weniger Reflektion findet statt und die Sonnenenergie wird aufgenommen. Bestes Beispiel ist der Vergleich von Schnee (hoher Albedo) und Asphaltstraßen (niedriger Albedo).

In den letzten 20 Jahren hat der Albedo deutlich abgenommen, insbesondere ein den letzten drei Jahren. Die Erde reflektiert heute etwa 0,5 Watt je Quadratmeter weniger. Bezogen auf die Erdoberfläche ist dies eine besorgniserregende zusätzliche Heizleistung. Das Fatale daran, diese Heizleistung zahlt direkt auf die Erderwärmung ein und nicht über den Umweg wie bei Treibhausgasen.

Normalerweise reflektiert die Erde etwa 30 Prozent des einfallenden Sonnenlichts, derzeit sind es etwa 0,5 Prozent weniger. Die Hoffnung, dass die vermehrte Wolkenbildung – resultierend aus der Erderwärmung – das Sonnenlicht bereits in großer Höhe reflektiert, erfüllt sich somit nicht. Dies hätte nämlich dazu beigetragen, die Erwärmung zu dämpfen und das Klimasystem auszubalancieren.

Auch die schwankende Helligkeit der Sonne steht der Studie zufolge in keinem Zusammenhang mit dem veränderten Albedo der Erde. Folglich wird die Veränderung des Reflexionsvermögens der Erde durch Entwicklungen auf der Erde selbst verursacht.

Fazit der Studie: Die Erde wird wärmer, reflektiert weniger Licht, wodurch sie noch wärmer wird.

Wie sich ein unterschiedlicher Albedo auswirkt, spüren wir anschaulich am Vergleich der Temperaturen zwischen Stadt und Land. Die städtische Erwärmung liegt in Sommernächten bis zu 10 Grad höher als im Umland. Das ist im Wesentlichen auf die zusätzlich aufgenommene Sonnenenergie zurückzuführen, die durch dunkle Straßen und Gebäude absorbiert und nicht reflektiert wird. Um das Mikroklima in urbanen Regionen und damit die Lebensqualität zu verbessern sind wir aufgerufen, neben zusätzlicher Begrünung Gebäude, Dächer und Verkehrswege hell zu gestalten.

5. Oktober 2021 – Umweltbundesamt hebt Ziele für CO2 Reduktionen noch einmal an – Minus 70% bis 2030!

Dem Spiegel Magazin (Ausgabe 40/2021) liegen bisher unveröffentlichte Informationen vor, nachdem das Umweltbundesamt auf einen schnelleren Übergang zur klimaneutralen Wirtschaft drängt. Höhere Ziele als bisher seien nötig, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Die Reduktion der Treibhausgasemissionen könnten demnach für 2030 auf minus 70 Prozent gegenüber 1990 festgelegt werden. Das sind 5 Prozentpunkte mehr als bisher geplant. UBA Chef Dirk Messner sagt, „wir müssen einen Zahn zulegen“. Dazu sei ein umfangreiches Programm nötig, das alle Bereiche der Wirtschaft umfasst.

  • Energie: Kohleausstieg 2030 statt 2038. Zubau der Windkraftanlagen an Land von sieben Gigawatt jährlich, Fotovoltaikanlagen von zehn Gigawatt.
  • Industrie: Keine fossilen Energieträger mehr ab spätestens 2040. Flächendeckender Einsatz von grünem Wasserstoff und grundsätzlich eine höhere Energieeffizienz.
  • Gebäude: Einbau neuer Ölheizungen ab sofort verboten; ab 2026 auch keine neuen Gasheizungen. Jährliches Sanierung von 2,5 Prozent der bestehenden Gebäude; neuen Gebäude erhalten höhere Anforderungen für die Dämmung.
  • Verkehr: Verbot von Verbrennungsmotoren für neue Pkw zwischen 2032 und 2035, für Lkw bis spätestens 2038. CO2-Abgaben für Benzin und Diesel höher als bislang von der Regierung geplant.
  • Landwirtschaft: Fleischkonsum soll von derzeit rund 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf knapp 16 Kilogramm gesenkt werden. Rund 15 Prozent des Milchkonsums sollen durch Ersatzprodukte gedeckt werden. Mehr Mischwälder und höhere Wasserstände in Mooren sollen mehr CO2 binden.

Die klimapolitische Modernisierung der Wirtschaft müsse zur Chefsache im Kanzleramt werden, so Dirk Messner.

Das UBA untersteht direkt dem Bundesumweltministerium. Seine Forderungen haben also durchaus Gewicht. Dennoch steht es der Regierung natürlich frei, welche Vorschläge der Bundesbehörde sie aufgreift.

6. Mai 2021 – Nach dem spektakulären Klimaurteil wurden die Klimaziele für die Wirtschaft noch einmal ordentlich nachgewürzt

Die Bundesregierung will in der kommenden Woche neue Klimaziele beschließen. Das Paket sieht unter anderem vor, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral wird – also 5 Jahre früher als bisher geplant.

Bis zum Jahr 2030 soll der CO2-Ausstoß um 65 Prozent reduziert werden — das sind 10 Zähler mehr als bisher geplant, also eine Straffung der Vorgaben um ca. 20%. Darüber hinaus wird ein neues Ziel für das Jahr 2040 etabliert: Deutschland soll seine Emissionen bis dahin um 88 Prozent reduzieren.

Die größten CO2-Minderungsziele betreffen die Sektoren Industrie und Energiewirtschaft

Insgesamt sind im Gesetzesentwurf sechs Sektoren aufgeführt, für die die Bundesregierung konkrete Ziele zur CO2-Einsparung vorsieht:

  • Energiewirtschaft: Der größte CO2-Verursacher in Deutschland. Im Jahr 2020 betrugen die Emissionen 221 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, nach dem reformierten Klimaschutzgesetz sollen es 2030 statt der bisherigen 175 Mio. Tonnen nur noch 108 Millionen CO2-Tonnen sein — also eine Reduktion von gut 51% in 10 Jahren.
  • Industrie: Zweitgrößter CO2 Verursacher in Deutschland. Im Jahr 2020 betrugen die Emissionen 186 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, nach dem reformierten Klimaschutzgesetz sollen es 2030 statt der bisherigen 140 Mio. Tonnen nur noch 119 Millionen CO2-Tonnen sein — also eine Reduktion von 33% in 10 Jahren.
  • Verkehr: Drittgrößter Verursacher in Deutschland. Im Jahr 2020 betrugen die Emissionen 149 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, nach dem reformierten Klimaschutzgesetz sollen es 2030 statt der bisherigen 95 Mio. Tonnen nur noch 85 Millionen CO2-Tonnen sein — also eine Reduktion von 43% in 10 Jahren.
  • Gebäude: Der viertgrößte CO2-Verursacer in Deutschland. Im Jahr 2020 betrugen die Emissionen 129 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, nach dem reformierten Klimaschutzgesetz sollen es 2030 nur noch 67 Millionen CO2-Tonnen sein — also eine Reduktion von 48% in 10 Jahren.

3. Mai 2021 – Klimaschutzgesetz verfassungswidrig – Was bedeutet das Urteil vom Bundesverfassungsgericht für die Sektoren der Industrie?

Das deutsche Klimaschutzgesetz ist in Teilen verfassungswidrig. Der Gesetzgeber müsse bis Ende 2022 die Minderung der Treibhausgasemissionen für die Zeit nach 2030 genauer regeln, erklärte das Bundesverfassungsgericht.

Auch aus dem Grundgesetz folgt, dass Treibhausgase gemindert werden müssen, so die Richter. Die Lasten dieser Minderung verschieben sich aber unumkehrbar auf die Zeit nach 2030. Um die dann im Klimaabkommen vereinbarten Ziele erreichen zu können, müssten notwendige Minderungen dann immer kurzfristiger erbracht werden. Dies würde potenziell die Freiheitsrechte in fast allen Lebensbereichen einschränken, wenn ein umfangreicher Verbrauch des zur Verfügung stehenden CO2 Budgets bereits bis 2030 verbraucht wird.

Insgesamt emittierte Deutschland 2020 knapp 739 Millionen Tonnen Treibhausgase. Damit hat das Land seine Klimaziele für das vergangene Jahr zwar erreicht, doch nur Dank der Pandemie. Mit Blick auf das Urteil muss die Bundesregierung nun nacharbeiten, wie die Klimaziele eingehalten werden sollen.

Welche Sektoren sind im Wesentlichen betroffen?

1. Energiewirtschaft (221 Mio. Tonnen CO2 in 2020, Anteil an den Gesamtemissionen 30%, Minderung gegenüber Vorjahr 17,1%)

Rund 38 Millionen Tonnen weniger CO2 wurden im vergangenen Jahr in der Energiewirtschaft ausgestoßen als noch 2019. Damit verzeichnetet der Sektor die größten Reduktionen an Emissionen 2020 – und zeigt, wie viel Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasen in der Energiewirtschaft steckt.

Der Rückgang hat mehrere Gründe. Zum einen führte die Reform des europäischen Emissionshandels zu höheren CO2-Preisen. Der Betrieb von Kohlekraftwerken war deswegen häufig teurer als der von Gaskraftwerken, die weniger CO2 ausstoßen.

Dazu kamen der coronabedingte Rückgang des Stromverbrauchs und der Ausbau erneuerbarer Energien. Der Beginn des Kohleausstiegs Ende 2020 mit ersten Abschaltungen von Braun- und Steinkohlekraftwerken dürfte sich erst in 2021 bemerkbar machen.

2. Industrie (178 Mio. Tonnen CO2 in 2020, Anteil an den Gesamtemissionen 24%, Minderungen gegenüber Vorjahr 4,6%)

Mit 178 Millionen Tonnen Treibhausgase ist die Industrie der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Hier konnten im vergangen Jahr knapp neun Millionen Tonnen Treibhausgase (4,6 Prozent) eingespart werden. Laut dem Umweltbundesamt ist das vor allem auf die Corona-Krise und den damit verbundenen Konjunktureffekt zurückzuführen.

Der größte Rückgang ist in der Stahlindustrie zu sehen: Die Rohstahlerzeugung ging um rund 10 Prozent zurück. Die gute Baukonjunktur hatte wiederum den Effekt gehabt, dass es zu höheren Prozessemissionen kam

3. Verkehr (149 Mio. Tonnen CO2 in 2020, Anteil an den Gesamtemissionen 20%, Minderungen gegenüber Vorjahr 11,4%)

Der Verkehrssektor ist einer der größten Baustellen in der Klimapolitik und die weitere Entwicklung wird sehr stark von dem Ausgang der Bundestagswahlen bestimmt werden. Auch die Investitionen in neue Technologien oder in die Ladeinfrastruktur, benötigt klare Vorgaben aus der Politik.

Obwohl die Treibhausgasemissionen im vergangen Jahr 19 Millionen Tonnen CO2 niedriger waren als im Vorjahr, liegt der Gesamtausstoß immer noch bei 146 Millionen Tonnen CO2.

Der Rückgang von 11,4 Prozent ist dabei vor allem auf den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und dem breit praktizierten Homeoffice zurückzuführen.

4. Gebäude (129 Mio. Tonnen CO2 in 2020, Anteil an den Gesamtemissionen 17%, leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr)

Hier wurde das Ziel für 202 im Klimaschutzgesetz um knapp zwei Millionen Tonnen verfehlt. Den Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge sind die Emissionen in den Haushalten leicht gestiegen. Zwar werden Fördermittel zur energetischen Sanierung umfangreich abgerufen, jedoch sorgt die große Nachfrage nach Wohnraum zu einer stärkeren Bautätigkeit. Die Senkung von Emissionen im Gebäudesektor wird sich nur langsam auswirken, da Sanierungen zeitintensiv sind und neue Gebäude mit höheren Standards nur einen geringen Teil der Immobilien ausmachen.

5. Landwirtschaft (66 Mio. Tonnen CO2 in 2020, Anteil an den Gesamtemissionen 9%, leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr)

Das bedeutendste Potenzial zur Emissionsminderung liegt künftig in einer geringeren Verwendung von Mineraldünger und sinkenden Rinderbeständen durch ein geändertes Konsumverhalten.

Fazit

Deutschland hat 2020 rund 70 Millionen Tonnen und damit circa 9,5% weniger Treibhausgase freigesetzt als 2019, wie aus Daten des Umweltbundesamtes hervorgeht. Trotzdem reichen die bisher getroffenen Maßnahmen nicht aus, denn gut ein Drittel der Minderungen sind auf die Folgen der Pandemie zurückzuführen.

Der BDI begrüßt das Urteil und ruft die Politik auf für Klarheit und Planungssicherheit für Unternehmen zu sorgen. „Neue Technologien zu entwickeln und massiv zu investieren liege im Interesse der Industrie“.

Auch Martin Kesternich vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) forderte die Bundesregierung auf, die Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen mit konkreten politischen Maßnahmen zu hinterlegen. Dabei komme dem CO2-Preis als „Leitinstrument“ eine Schlüsselrolle zu. „Dieser könnte, den langfristigen Reduktionspfaden folgend, entsprechend ausgestaltet werden“, sagte der stellvertretende Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Umwelt und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement“ dem Handelsblatt.

30. April 2021 – Diese Staaten sind die größten Klimasünder

Quelle: Capital

Germanwatch und das New Climate Institute haben den Klimaschutz in der EU und in den 57 Ländern mit den weltweit höchsten Emissionen untersucht. Ihr Bericht umfasst den Angaben zufolge die Verursacher von 90 Prozent der weltweiten Emissionen.

Untersucht wurden 14 Indikatoren in vier Kategorien:

  • Treibhausgas-Emissionen: 40 Prozent der Endnote
  • erneuerbare Energien: 20 Prozent
  • Energieverbauch: 20 Prozent
  • Klimapolitik: 20 Prozent

Diese Länder wurden 2021 als die größten Klimasünder abgestempelt:

#10 Russland

Russland belegt im Klimaschutz-Index 2021 von Germanwatch wie im Vorjahr Platz 52 und kam damit im Klimasünder-Ranking auf Rang zehn (untersuchten wurden 58 Staaten und Regionen, die ersten drei Plätze blieben frei). Das Abschneiden Russlands war sogar noch fast schmeichelhaft. Denn das Land verschlechterte sich deutlich von 37,85 auf 30,34 Punkte. Zum Vergleich: Der Spitzenreiter erzielte 74,42 Punkte. Dafür sorgten unter anderem miserable Noten für erneuerbare Energien und die Klimapolitik.

#9 Südkorea

Südkorea verbesserte sich von Platz 58 auf Platz 53. Der Indexwert legte um drei Punkte auf 29,76 zu. Das war aber immer noch der neuntschlechteste Wert im Klimschutz-Ranking. Zwar hätte die Klimapolitik allein für einen Platz im oberen Mittelfeld gereicht. Dafür enttäuschte Korea dem Bericht zufolge aber mit sehr hohen Werten bei Emissionen und Stromverbrauch.

#8 Australien

Australien stieg zwei Plätze auf Rang 54, schnitt im Indexwert (28,82) allerdings fast zwei Punkte schlechter ab als im Vorjahr. Vor allem die Klimapolitik gefiel den Autoren des Berichts gar nicht. Hier gab es für Australien weltweit mit die schlechtesten Noten.

#7 Kasachstan

Kasachstan fiel vor allem wegen sehr hoher Emissionen um einen Platz auf Rang 55 (Indexwert: 28,04).

#6 Malaysia

Für Malaysia ging es im Klimaschutz-Index von Germanwatch gleich drei Plätze bergab. 27,76 Punkte reichten nur noch für Rang 56. Die Gründe: Kaum erneuerbare Energien und eine schlechte Klimapolitik.

#5 Taiwan

Taiwan hatte im Klimaschutz-Index 2020 den drittletzten Platz belegt. 2021 war es der fünftletzte Rang (27,11 Punkte). Dafür war einer der schlechtesten Werte bei den erneuerbaren Energien mitverantwortlich.

#4 Kanada

Kanada hat nach Ansicht der Autoren im Klimaschutz nachgelassen – und das auf ohnehin sehr niedrigem Niveau. Das Land fiel unter anderem wegen eines hohen Stromverbrauchs um drei Ränge auf Platz 58.

#3 Iran

Nur zwei Länder schnitten im Klimaschutz-Index 2021 weltweit schlechter ab als der Iran. Er landete auf Platz 59 (24,58 Punkte), zwei Ränge unter dem Ergebnis des Vorjahres. Erneuerbare Energien spielten in dem Land laut dem Bericht kaum eine Rolle.

#2 Saudi-Arabien

Saudi-Arabien verharrte auf dem vorletzten Platz des Rankings von Germanwatch. Das vergleichsweise gute Ergebnis bei den erneuerbaren Energien wurde von miserablen Emissionswerten zunichte gemacht. Auch beim Energieverbrauch und der Klimapolitik schnitt Saudi-Arabien extrem schlecht ab.

#1 USA

Die USA bleiben nach Ansicht der Experten der größte Klimasünder weltweit. Sie waren im Ranking das einzige Land, das unter 20 Punkten blieb (19,75). Zwar lagen sie im Index bei den Emissionen deutlich vor Korea. Dafür straften die Autoren die Klimapolitik der Trump-Administration ab. Die USA erhielten „in der Klimapolitik als einziges Land neben Australien und Algerien sowohl bei der nationalen als auch der internationalen Politik die schlechteste Bewertung ’sehr schwach’“, hieß es bei der Veröffentlichung des Berichts. „Die Pläne des designierten neuen Präsidenten Biden eröffnen große Chancen, dass sich diese Bewertung deutlich verbessern könnte – allerdings nur, wenn die Ankündigungen aus dem Wahlkampf tatsächlich umgesetzt werden. Angesichts der noch unklaren Mehrheitsverhältnisse im Senat ist unsicher, wie viel davon realisiert wird.“

28. Januar 2021 – Weltweite Umfrage: Zwei Drittel der Menschen sehen Klimakrise als »globalen Notfall«

Die Uno hat so viele Menschen wie noch nie zuvor zum Thema Klimawandel befragt. Die Aussagen sind eindeutig – auch die zu den möglichen Lösungen.

Eine breite Mehrheit der Menschen sieht sich laut einer internationalen Umfrage durch den Klimawandel bedroht. Fast zwei Drittel der weltweit 1,2 Millionen Befragten sagten, die Welt stehe vor einem Klimanotstand, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP) und der britischen Oxford University hervorgeht. Bei dieser bislang größten Umfrage der Vereinten Nationen wurden Menschen verschiedener Altersklassen aus 50 Ländern befragt, in denen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt.

»Die Besorgnis über den Klimanotstand ist viel weiter verbreitet, als uns bislang bekannt war«, sagte der Soziologe der Oxford University, Stephen Fisher. »Und die große Mehrheit derer, die einen Klimanotstand erkennen, wollen dringende und umfassende Maßnahmen.« Für Forscher ist das ein Zeichen, dass Klimabewegungen wie »Fridays for Future« trotz der Coronakrise weiter Aufschwung haben.

Der Studie zufolge schätzen besonders Menschen in Italien, Großbritannien und Japan die Auswirkungen des Klimawandels als bedrohlich ein. 80 Prozent der Befragten dort äußerten Besorgnis angesichts von heftigeren Hitzewellen, Dürren, sintflutartigen Regenfällen und Stürmen. Frankreich, Deutschland, Südafrika und Kanada lagen in der Umfrage dicht dahinter. Dort bezeichneten mehr als drei Viertel der Befragten die Bedrohung als »globalen Notfall«.

Am wenigsten Zustimmung fand diese Ansicht bei Bürgern aus ärmeren Ländern (58 Prozent) sowie bei Menschen über 60 Jahren (etwas weniger als 60 Prozent). Frauen zeigten sich insgesamt etwas besorgter über die globale Erwärmung als Männer.

Große Zustimmung zu erneuerbaren Energien – auch in den USA

»Dringende Klimaschutzmaßnahmen haben eine breite Unterstützung unter den Menschen rund um den Globus – über Nationalitäten, Alter, Geschlecht und Bildung hinweg«, sagte UNDP-Chef Achim Steiner. »Aber noch mehr als das zeigt die Umfrage, was die Menschen von ihren politischen Entscheidungsträgern erwarten, um die Krise zu bewältigen«, fügte er hinzu.

Die Befragten sollten außerdem angeben, welche Lösung sie im Kampf gegen den Klimawandel als die effektivste sehen:

Die Mehrheit (79 Prozent) erachtet den Schutz von Land und Wäldern als effektivstes Mittel gegen den Klimawandel.

An zweiter und dritter Stelle stehen jeweils die Reduktion von Essensabfällen (74 Prozent) und der Einsatz erneuerbarer Energien (71 Prozent).

Nur knapp über die Hälfte (57 Prozent) gaben die Förderung von Elektromobilität als Mittel der Wahl zum Klimaschutz an.

Dem Vorschlag, eine fleischfreie Ernährung voranzutreiben, stimmten 44 Prozent zu.

Die weltweite Auswertung zeigte, dass in den Staaten mit den höchsten Treibhausgasemissionen im Energiesektor die Zustimmung für die Förderung erneuerbarer Energien am höchsten ist. So lag sie in den USA als größtem Emittenten unter den Staaten der Umfrage bei 65 Prozent.

(Quelle: Spiegel|dpa|UNDP|Oxford University)

15. Dezember 2020 – In Deutschland jährlich über 20.000 „Hitzetote“

Immer mehr Hitzetote durch Klimaveränderung in Deutschland

In der Bundesrepublik hat es in den vergangen Jahren einen deutlichen Anstieg bei den Todesopfern durch hohe Temperaturen gegeben.

Modellrechnungen von Forschern zeigen, dass die Zahl der Hitzetoten hierzulande im weltweiten Vergleich weit vorne liegt. Grund sei die Zunahme der Hitzetage pro Jahr in Kombination mit dem steigenden Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre, schreiben sie im Fachjournal „The Lancet“.

Sie ermittelten für 2018 in Deutschland rund 20.200 Todesfälle bei über 65-Jährigen im Zusammenhang mit Hitze. Nur die zwei bevölkerungsreichsten Länder der Welt mit je rund 1,4 Milliarden Einwohnern lagen nach reinen Zahlen gesehen in dem Rechenmodell noch höher: China mit 62.000 und Indien mit 31.000 Hitzetoten. In die Kalkulation nahmen die Forscher unter anderem die tägliche Maximaltemperatur, den Anteil der über 65-Jährigen und das Sterberisiko dieser Altersgruppe durch Hitze auf.

Deutliche Steigerung in Deutschland

Mit Blick auf die Mittelwerte der Vorjahre sei der Wert für Deutschland eine deutliche Steigerung. In den Jahren 2014 bis 2018 habe die Zahl der Hitzetoten nach dieser Methode hierzulande im Schnitt bei 12.080 gelegen. Und das seien bereits 3.640 Hitzetote mehr gewesen als im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2004.

Nicht einkalkuliert sei dabei der Fakt, dass in Deutschland viele Menschen in Städten lebten, hieß es. Große Städte erhitzten sich mitunter noch stärker als die Werte, mit denen die Modellrechnung arbeite – insbesondere in der Nacht.

Neue Infektionen durch Hitze

Dazu komme das Risiko, dass durch Hitze neue Infektionen auftauchen könnten. Dazu gehörten zum Beispiel Tropenkrankheiten, die durch bestimmte Mückenarten übertragen werden können, wenn sie in Deutschland überleben. Selbst wenn hierzulande noch keine einheimische Dengue-Fieber-Infektion registriert worden sei, gebe es im Vergleich der Zeiträume von 1950 bis 1954 und 2014 bis 2018 eine Steigerung der klimatischen Möglichkeiten dafür von fast 120 Prozent.

Leicht zurückgegangen sei dagegen das Risiko, in Deutschland durch Luftverschmutzung vorzeitig zu sterben, heißt es in der Untersuchung. Durch Kohleverbrennung seien 2015 geschätzt 9.280 Menschen in Deutschland früher gestorben, 2018 seien es geschätzt 8.140 gewesen.

Quelle: dpa | t-online

19. Oktober 2020 – Deutschland gehört zu den vom Klimawandel 20 meistbetroffenen Ländern

Der Klima-Risiko-Index von Germanwatch deckt auf, dass Deutschland weltweit zu den 20 am meisten betroffenen Ländern von Wetterextremen zählt.

Der Index wird jährlich aktualisiert und zeigt auf, wie stark Länder von Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen oder Dürren betroffen sind. Berechnungsgrundlage zur Bewertung ist unter anderem die Datenbank des Rückversicherers Munich Re. Die Bezifferung der Schäden wird jeweils an die unterschiedliche Kaufkraft der einzelnen Länder angepasst.

Die am schlimmsten betroffenen Länder sind die von Wirbelstürmen heimgesuchten. Dramatisch ist, dass damit auch genau diese Regionen betroffen sind, die in den kommenden Jahren mit der stärksten Zunahme an Extremwetterereignissen rechnen müssen. Diese Entwicklung geht bereits soweit, dass einzelne Länder kaum noch in der Lage sind, sich von den einzelnen Katastrophen zu erholen.

Die größten Risiken für Deutschland sind Stürme, Überschwemmungen und die vermehrt auftretenden Hitzewellen, gegen die man hierzulande schlecht gewappnet ist. Für Deutschland kursieren sehr unterschiedliche Zahlen zu den aufgrund von Hitze Verstorbenen, da sie statistisch nicht separat erfasst werden. Man geht in für die letzten Jahren von bereits bis zu 20.000 Hitzetoten jährlich aus. Zum Vergleich, die stärkste Grippewelle der letzten 30 Jahre in 2017/18 und kostete 25.100 Menschen in Deutschland das Leben (Quelle: RKI)

16. September 2020 – Wissenschaftlich bewiesene Fakten zum Klimawandel

Ohne Treibhausgase (aber bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen) wäre es auf der Erdoberfläche im Mittel etwa minus 18 Grad Celsius kalt. Durch den Treibhauseffekt wird die Erde also überhaupt erst bewohnbar, die Temperatur steigt um circa 32 Grad Celsius auf rund plus 14 Grad Celsius. Mit der Industrialisierung und der Nutzung fossiler Energieträger, intensiver Nutztierhaltung und großer Mengen Kunstdünger hat sich die Konzentration von Treibhausgasen in der Luft um 50 Prozent erhöht, einzelne Gase wie zum Beispiel Methan sogar um 250 Prozent.

Durch diesen menschenverstärkten Treibhauseffekt ist im gesamten Klimasystem der Erde zusätzliche Energie vorhanden. Diese Überschuss-Energie verteilt sich aus der Atmosphäre auch in die anderen Teile des Klimasystems. Der größte Teil der zusätzlichen Energie fließt mit 93 Prozent in die Weltmeere. In der weiteren Kette ergibt sich daraus eine Lufterwärmung an der Erdoberfläche gegenüber der vorindustriellen Zeit von etwa 1 Grad Celsius. Eine solches Temperaturniveau gab es noch nie während der gegenwärtigen Warmzeit, die vor 12.000 Jahren begann.

Ein erschreckendes Signal ist die Häufung von Temperaturrekorden. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen traten alle zehn wärmsten Jahre seit 1998 auf. In der Folge schmelzen Eis und Schneemassen und der Meeresspiegel der Ozeane ist seit 1993 um fast 10 cm gestiegen. Der Temperaturanstieg und die größeren ungebundenen Wassermassen verändern das Niederschlagsmuster und Wetterextreme nehmen zu.

Wie wirkt sich der Kimawandel in Deutschland aus?

Seit Beginn der systematischen, flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881 hat sich die mittlere Temperatur in Deutschland bereits um 1,9 Grad Celsius erwärmt und ist damit deutlich stärker gestiegen als im weltweiten Durchschnitt. Auch in Deutschland häufen sich die Temperaturrekorde. Neun von zehn Rekordjahren lagen in den letzten 20 Jahren. Die Anzahl der Heißtage (>30 Grad) stieg von durchschnittlich 3 Tagen/Jahr in den 1950er Jahren auf 8,8 Tage/Jahr in den letzten 10 Jahren. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Eistage (<0 Grad) um ein drittel ab. In Hamburg gab es beispielsweise im Winter 2019/20 keinen einzigen Eistag mehr.

Die Folge des Klimawandels und Deutschaland ist die Zunahme von Wetterextremen. Starkregen und Dürre nehmen zu. Die trockenen Jahre 2018 und 2019 sind beispiellos für die vergangenen 250 Jahre. 50 Prozent des Ackerlandes waren davon betroffen, aber auch die Energieerzeugung und Industrie. Über mehrere Monate mussten aufgrund der niedrigen Wasserstände von Rhein und Elbe Raffinerien und Chemiewerke ihre Produktion herunterfahren und Kraftwerke mangels genügend Kühlwasser ihre Leistung drosseln. Die wirtschaftlichen Schäden betrugen mehrere 100 Mio. Euro.

Künftige Entwicklung

Bei ungebremster Entwicklung der Emissionen wird sich die Erde bis Ende des Jahrhunderts um über 4 Grad erwärmen. Mit sämtlichen Zusagen aller Regierungen lautet die Prognose noch ein Plus von 2,8 Grad.

Auch wenn es zweifellos eine große Herausforderung ist: Schnelle und drastische Minderungen der Treibhausgas-Emissionen sind möglich, das zeigen zahlreiche Studien und auch praktische Erfahrungen. Viele der dafür notwendigen Technologien existieren und sind teilweise bereits unter den heutigen politischen Rahmensetzungen finanziell konkurrenzfähig. Etliche Staaten haben in den vergangenen Jahren ihren Ausstoß an Treibhausgasen stärker gesenkt als Deutschland. So gelang es beispielsweise Dänemark oder Großbritannien, zwischen 2005 und 2017 die Emissionen um mehr als ein Drittel zu mindern. Auch beim Ausstieg aus der Kohleverstromung sind zahlreiche EU-Staaten schneller als Deutschland: Belgien und Schweden zum Beispiel haben ihn bereits vollzogen, bis 2025 wollen Großbritannien, Irland und Italien folgen. Insgesamt planen nach Angaben der EU-Kommission bereits acht Mitgliedsstaaten ein Ende der Kohleverstromung vor dem Jahr 2030.

Einige Elemente im Klimasystem der Erde ändern sich bei steigender Temperatur nicht allmählich, sondern sprunghaft. Die Wissenschaft hat mehr als ein Dutzend solcher sogenannten Kipp-Elemente identifiziert: Bei bestimmten Temperaturschwellen (die von der Wissenschaft aber noch nicht genau quantifiziert werden können) „kippen“ sie, und eine Rückkehr zum vorherigen Zustand ist dann praktisch unmöglich.

Ein Beispiel ist der Eispanzer auf Grönland: Er ist gegenwärtig kilometerdick, so dass die Oberfläche in einer Höhe liegt, in der es (wie im Gebirge) deutlich kühler ist. Schmilzt er, sinkt die Oberfläche in wärmere Luftschichten und schmilzt immer schneller. Damit die Eismasse wieder wachsen könnte, müssten die Temperaturen auf der Erde erst auf ein Niveau wie während der letzten Eiszeit sinken (und damit im globalen Mittel um rund vier Grad Celsius gegenüber heute). Als weitere Kipp-Elemente gelten das Schmelzen des Antarktischen Eisschildes, die Vernichtung des Amazonas-Regenwalds oder das Absterben tropischer Korallenriffe. Manche Kipp-Elemente verstärken die globale Erwärmung zusätzlich, weil sie weitere Treibhausgase freisetzen. Dies gilt etwa für das Tauen von Permafrostböden, wodurch riesige Mengen Methan oder Kohlendioxid freigesetzt werden könnten. Daher ist das Tempo des Klimaschutzes extrem wichtig: Um Kipp-Punkte nicht zu überschreiten, müssen die Treibhausgasemissionen schnell sinken. Denn selbst wenn die Menschheit in ferner Zukunft das Klima wieder auf vorindustrielles Niveau abkühlen könnte, würde das nichts mehr am Verlust von Grönlandeis, Amazonas-Regenwald, Korallenriffen etc. und dessen Konsequenzen wie drastischer Meeresspiegelanstieg, massenhaftes Artensterben usw. ändern.

Selbst scheinbar geringe Beträge bei der globalen Erwärmung können schwerwiegende Folgen haben. Wenn sich die Erde zum Beispiel um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt, werden voraussichtlich 70 bis 90 Prozent der weltweiten Korallenriffe absterben – bei zwei Grad praktisch alle (98 bis 99 Prozent). Ein zeitweise eisfreier Nordpol ist bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung rund alle 40 Jahre zu erwarten – bei zwei Grad jedoch alle drei bis fünf Jahre. Eine Sturmflut, wie sie bisher an der Nordseeküste bei Cuxhaven statistisch alle 500 Jahre auftritt, wird bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung einmal in hundert Jahren erwartet – bei zwei Grad jedoch alle 33 Jahre.

Dieser Artikel ist auszugsweise entnommen aus „Klima Wissen – Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind“, Stand September 2020. Herausgegeben von: Deutsches Klima-Konsortium, Deutsche Meteorologische Gesellschaft, Deutscher Wetterdienst, Extremwetterkongress Hamburg, Helmholtz-Klima-Initiative, klimafakten.de

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