16. September 2020 – Wissenschaftlich bewiesene Fakten zum Klimawandel

Ohne Treibhausgase (aber bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen) wäre es auf der Erdoberfläche im Mittel etwa minus 18 Grad Celsius kalt. Durch den Treibhauseffekt wird die Erde also überhaupt erst bewohnbar, die Temperatur steigt um circa 32 Grad Celsius auf rund plus 14 Grad Celsius. Mit der Industrialisierung und der Nutzung fossiler Energieträger, intensiver Nutztierhaltung und großer Mengen Kunstdünger hat sich die Konzentration von Treibhausgasen in der Luft um 50 Prozent erhöht, einzelne Gase wie zum Beispiel Methan sogar um 250 Prozent.

Durch diesen menschenverstärkten Treibhauseffekt ist im gesamten Klimasystem der Erde zusätzliche Energie vorhanden. Diese Überschuss-Energie verteilt sich aus der Atmosphäre auch in die anderen Teile des Klimasystems. Der größte Teil der zusätzlichen Energie fließt mit 93 Prozent in die Weltmeere. In der weiteren Kette ergibt sich daraus eine Lufterwärmung an der Erdoberfläche gegenüber der vorindustriellen Zeit von etwa 1 Grad Celsius. Eine solches Temperaturniveau gab es noch nie während der gegenwärtigen Warmzeit, die vor 12.000 Jahren begann.

Ein erschreckendes Signal ist die Häufung von Temperaturrekorden. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen traten alle zehn wärmsten Jahre seit 1998 auf. In der Folge schmelzen Eis und Schneemassen und der Meeresspiegel der Ozeane ist seit 1993 um fast 10 cm gestiegen. Der Temperaturanstieg und die größeren ungebundenen Wassermassen verändern das Niederschlagsmuster und Wetterextreme nehmen zu.

Wie wirkt sich der Kimawandel in Deutschland aus?

Seit Beginn der systematischen, flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881 hat sich die mittlere Temperatur in Deutschland bereits um 1,9 Grad Celsius erwärmt und ist damit deutlich stärker gestiegen als im weltweiten Durchschnitt. Auch in Deutschland häufen sich die Temperaturrekorde. Neun von zehn Rekordjahren lagen in den letzten 20 Jahren. Die Anzahl der Heißtage (>30 Grad) stieg von durchschnittlich 3 Tagen/Jahr in den 1950er Jahren auf 8,8 Tage/Jahr in den letzten 10 Jahren. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Eistage (<0 Grad) um ein drittel ab. In Hamburg gab es beispielsweise im Winter 2019/20 keinen einzigen Eistag mehr.

Die Folge des Klimawandels und Deutschaland ist die Zunahme von Wetterextremen. Starkregen und Dürre nehmen zu. Die trockenen Jahre 2018 und 2019 sind beispiellos für die vergangenen 250 Jahre. 50 Prozent des Ackerlandes waren davon betroffen, aber auch die Energieerzeugung und Industrie. Über mehrere Monate mussten aufgrund der niedrigen Wasserstände von Rhein und Elbe Raffinerien und Chemiewerke ihre Produktion herunterfahren und Kraftwerke mangels genügend Kühlwasser ihre Leistung drosseln. Die wirtschaftlichen Schäden betrugen mehrere 100 Mio. Euro.

Künftige Entwicklung

Bei ungebremster Entwicklung der Emissionen wird sich die Erde bis Ende des Jahrhunderts um über 4 Grad erwärmen. Mit sämtlichen Zusagen aller Regierungen lautet die Prognose noch ein Plus von 2,8 Grad.

Auch wenn es zweifellos eine große Herausforderung ist: Schnelle und drastische Minderungen der Treibhausgas-Emissionen sind möglich, das zeigen zahlreiche Studien und auch praktische Erfahrungen. Viele der dafür notwendigen Technologien existieren und sind teilweise bereits unter den heutigen politischen Rahmensetzungen finanziell konkurrenzfähig. Etliche Staaten haben in den vergangenen Jahren ihren Ausstoß an Treibhausgasen stärker gesenkt als Deutschland. So gelang es beispielsweise Dänemark oder Großbritannien, zwischen 2005 und 2017 die Emissionen um mehr als ein Drittel zu mindern. Auch beim Ausstieg aus der Kohleverstromung sind zahlreiche EU-Staaten schneller als Deutschland: Belgien und Schweden zum Beispiel haben ihn bereits vollzogen, bis 2025 wollen Großbritannien, Irland und Italien folgen. Insgesamt planen nach Angaben der EU-Kommission bereits acht Mitgliedsstaaten ein Ende der Kohleverstromung vor dem Jahr 2030.

Einige Elemente im Klimasystem der Erde ändern sich bei steigender Temperatur nicht allmählich, sondern sprunghaft. Die Wissenschaft hat mehr als ein Dutzend solcher sogenannten Kipp-Elemente identifiziert: Bei bestimmten Temperaturschwellen (die von der Wissenschaft aber noch nicht genau quantifiziert werden können) „kippen“ sie, und eine Rückkehr zum vorherigen Zustand ist dann praktisch unmöglich.

Ein Beispiel ist der Eispanzer auf Grönland: Er ist gegenwärtig kilometerdick, so dass die Oberfläche in einer Höhe liegt, in der es (wie im Gebirge) deutlich kühler ist. Schmilzt er, sinkt die Oberfläche in wärmere Luftschichten und schmilzt immer schneller. Damit die Eismasse wieder wachsen könnte, müssten die Temperaturen auf der Erde erst auf ein Niveau wie während der letzten Eiszeit sinken (und damit im globalen Mittel um rund vier Grad Celsius gegenüber heute). Als weitere Kipp-Elemente gelten das Schmelzen des Antarktischen Eisschildes, die Vernichtung des Amazonas-Regenwalds oder das Absterben tropischer Korallenriffe. Manche Kipp-Elemente verstärken die globale Erwärmung zusätzlich, weil sie weitere Treibhausgase freisetzen. Dies gilt etwa für das Tauen von Permafrostböden, wodurch riesige Mengen Methan oder Kohlendioxid freigesetzt werden könnten. Daher ist das Tempo des Klimaschutzes extrem wichtig: Um Kipp-Punkte nicht zu überschreiten, müssen die Treibhausgasemissionen schnell sinken. Denn selbst wenn die Menschheit in ferner Zukunft das Klima wieder auf vorindustrielles Niveau abkühlen könnte, würde das nichts mehr am Verlust von Grönlandeis, Amazonas-Regenwald, Korallenriffen etc. und dessen Konsequenzen wie drastischer Meeresspiegelanstieg, massenhaftes Artensterben usw. ändern.

Selbst scheinbar geringe Beträge bei der globalen Erwärmung können schwerwiegende Folgen haben. Wenn sich die Erde zum Beispiel um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt, werden voraussichtlich 70 bis 90 Prozent der weltweiten Korallenriffe absterben – bei zwei Grad praktisch alle (98 bis 99 Prozent). Ein zeitweise eisfreier Nordpol ist bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung rund alle 40 Jahre zu erwarten – bei zwei Grad jedoch alle drei bis fünf Jahre. Eine Sturmflut, wie sie bisher an der Nordseeküste bei Cuxhaven statistisch alle 500 Jahre auftritt, wird bei 1,5 Grad Celsius Erwärmung einmal in hundert Jahren erwartet – bei zwei Grad jedoch alle 33 Jahre.

Dieser Artikel ist auszugsweise entnommen aus „Klima Wissen – Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind“, Stand September 2020. Herausgegeben von: Deutsches Klima-Konsortium, Deutsche Meteorologische Gesellschaft, Deutscher Wetterdienst, Extremwetterkongress Hamburg, Helmholtz-Klima-Initiative, klimafakten.de

https://www.deutsches-klima-konsortium.de